23. 7. 2026
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Aimtec feiert sein 30-jähriges Jubiläum. Drei Jahrzehnte in der Technologiebranche bedeuten, mehrere Trendwellen mitzuerleben und zu erkennen, welche davon die Geschäftswelt wirklich verändert haben. Das Unternehmen aus Pilsen ist in dieser Zeit zum Digitalisierungspartner für Kunden auf der ganzen Welt geworden. Wohin entwickelt sich die Digitalisierung von Produktion und Logistik, was bringt die KI und was für Fähigkeiten werden Unternehmen benötigen, um zukunftsfähig zu sein? Darüber sprachen wir mit Pavel Boháč, CEO von Aimtec.
Aimtec blickt auf 30 Jahre zurück. Wenn wir von diesem Meilenstein aus in die Zukunft blicken, wo siehst du unsere Branche in den kommenden Jahren?
Ich möchte für meine Antwort auf das Motto unserer diesjährigen
TAL-konferenz „Digital by Design“ verweisen. Digitalisierung ist nicht mehr nur eine zusätzliche Schicht. Bei guten Lösungen ist sie von Anfang an Teil des Konzepts. Wir haben lange von Automatisierung, Technologien oder Digitalisierung als eigenständige Themen gesprochen und uns mit der Rentabilität einzelner Optimierungen beschäftigt. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter.
Entscheidend ist, alles in einem System zu vernetzen und vor allem Daten daraus zu gewinnen. Deren Bedeutung nimmt rasant zu, denn ohne saubere und zuverlässige Daten können Unternehmen weder das Potenzial der Automatisierung noch das der KI ausschöpfen.
KI ist in den letzten Jahren das größte Thema im Bereich der Digitalisierung. Wie verändert sie die Softwareentwicklung und den IT-Ansatz der Unternehmen?
KI verändert die gesamte Funktionsweise unseres Geschäfts. Ich nenne das digitale Emanzipation. Entwicklungstools und die Arbeit mit Informationen sind leichter zugänglich, sodass auch kleinere Firmen Lösungen mit echter Wirkung anbieten können. Damit verbunden ist das sogenannte „Citizen Development“ – dabei beteiligen sich Menschen außerhalb der traditionellen IT-Abteilungen mithilfe der neuen Tools an der Entwicklung einfacher Anwendungen, Automatisierungen oder Prozessanpassungen. Ich denke, Unternehmen müssen sich daran gewöhnen, dass ein einziges großes System nicht mehr alles lösen kann. Sie müssen lernen, schnell neue Lösungen zu integrieren, sie zu kombinieren und sich nicht abzuschotten.
In einer Situation, in der wir wissen, dass sich der Markt verändern wird, aber nicht wissen, wie genau, haben wir bei Aimtec einen Vorteil. Wir sind kein schwerfälliger Koloss, der nur sehr langsam die Richtung ändert. Wir verfügen über Erfahrung, Wissensbestand und 30 Jahre bewährte Stabilität. Das ist eine gute Kombination für eine Zeit, in
der man flexibel sein muss, aber nicht chaotisch sein darf.
Ich denke, Unternehmen müssen sich daran gewöhnen, dass ein einziges großes System nicht mehr alles lösen kann. Sie müssen lernen, schnell neue Lösungen zu integrieren, sie zu kombinieren und sich nicht abzuschotten.
Was ändert sich durch KI im Tagesgeschäft von Produktions- und Logistikunternehmen, und was kann sie hingegen nicht selbst lösen?
KI ist grundsätzlich dort eine Hilfe, wo große Informationsmengen verarbeitet, Zusammenhänge aufgespürt oder Abläufe automatisiert werden müssen. Sie unterstützt die Planung, die Auswertung, die Arbeit mit Dokumenten und hilft in vielen weiteren Bereichen. Sie löst aber keine schlecht beschriebenen Prozesse. Wenn ein Unternehmen nicht weiß, wie seine Prozesse funktionieren, wenn es keine Daten und keine klare Vorstellung davon hat, was von der KI zu erwarten ist, wird auch kein Wunder geschehen.
Das Erfassen und Beschreiben von Prozessen ist eine Investition, die jetzt getätigt werden muss. Ihr Aufschub kann Unternehmen teuer zu stehen kommen. Das klingt banal, aber ohne diesen Schritt kommt man nicht weiter. KI-Agenten haben großes Potenzial, die menschliche Arbeit branchenübergreifend zu unterstützen, müssen aber über eine Grundlage verfügen, aus der sie schöpfen und von der sie lernen können.
Andernfalls wird KI – überspitzt gesagt – nur eine bessere Suchmaschine und ein Tool für schönere Präsentationen sein.
Was also ist die entscheidende Kompetenz für Unternehmen in den kommenden Jahren?
Eine gesunde Offenheit dafür, dass Dinge auch anders gemacht werden können, und die Bereitschaft, sich darauf einzulassen. Oft ist von Anpassungsfähigkeit die Rede. Dabei geht es nicht nur um die Reaktion auf Marktentwicklungen oder neue Technologien, sondern um die Fähigkeit, diese Flexibilität auf die eigenen Prozesse und Systeme zu übertragen. Auch deshalb bieten wir keine Allround-Lösung, die auf alles eine Antwort hat. Sinnvoller erscheint uns eine Plattform, die neue Anforderungen, Technologien und betriebliche Änderungen aufnehmen und sich an Veränderungen des Kunden und seines Marktes anpassen kann.
Innovationen werden oft aufgeschoben, weil die Zeit fehlt oder die Befürchtung besteht, etwas zu zerschlagen, was eigentlich funktioniert. Risiko und Nutzen einer Änderung müssen immer abgewogen werden. Nichts sollte unüberlegt geschehen, nur weil man mit der Zeit gehen will.
Wer aber Innovationen mit der Begründung aufschiebt, dass jetzt keine Zeit dafür ist, muss später möglicherweise viel mehr aufholen.
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Wo liegt heute das größte Limit für Änderungen in Unternehmen – auf Ebene der Technologien oder der Menschen?
Das sind wir, die Menschen. Genauer gesagt: unsere Fähigkeit, die sich heute rasant entwickelnden Technologien anzunehmen und sinnvoll zu nutzen. Es geht nicht nur um neue Tools, sondern um eine Veränderung der Denkweise: die richtigen Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu verstehen, kritisch zu denken und zu bewerten, was relevant ist. Die Menschen müssen lernen, Technologien als Werkzeuge zu nutzen, die ihre Fähigkeiten erweitern. Für mich macht es Sinn, diese Änderungen iterativ und schrittweise zu implementieren. Änderungen werden besser angenommen, wenn die Menschen ihre Auswirkungen sehen und Zeit zum Lernen haben.
Ich denke aber, dass wir stets unseren
gesunden Menschenverstand bewahren sollten. Technologien können uns unterstützen und unseren Blickwinkel erweitern, wir dürfen sie aber nicht blind entscheiden lassen. Kreatives Denken, die endgültige Entscheidung und die Verantwortung müssen beim Menschen bleiben. Je intelligenter die Systeme werden, desto wichtiger wird es sein, die Decision Layer, also die Entscheidungsebene, klar zu definieren: Was kann das System empfehlen oder automatisch verrichten, und wo muss der Mensch eingreifen? Wir sollten immer wissen, was wir tun und warum, und welche Auswirkungen unsere Entscheidungen haben.
Je intelligenter die Systeme werden, desto wichtiger wird es sein, die Decision Layer, also die Entscheidungsebene, klar zu definieren: Was kann das System empfehlen oder automatisch verrichten, und wo muss der Mensch eingreifen? Wir sollten immer wissen, was wir tun und warum, und welche Auswirkungen unsere Entscheidungen haben.
Wenn ein Unternehmen heute eine größere Umstellung im Digitalisierungsbereich oder in der Automatisierung plant, warum sollte dann gerade Aimtec mit am Tisch sitzen?
Es sind unsere Erfahrungen. Nicht nur eine Liste von Referenzen, sondern Know-how, das dadurch entsteht, dass man jahrelang reale Situationen im Betrieb bewältigt und sieht, was funktioniert, was nicht funktioniert und was die Kunden wirklich brauchen. Diese Art von Erfahrung lässt sich nach wie vor nicht ohne Weiteres übertragen. Technologie kann man kaufen, Mitarbeiter einstellen, aber die Kombination aus Know-how, Kontext und Verantwortung für das Ergebnis baut sich über einen langen Zeitraum auf.
Wichtig ist auch die Kontinuität. Wenn man grundlegende Änderungen im Betrieb angeht, will man keinen Partner, der ein Projekt abliefert und dann verschwindet. Man braucht jemanden, der das Umfeld versteht, einen Teil der Verantwortung auf sich nimmt und dabei hilft zu wachsen.
Wenn du dir Aimtec in fünf Jahren vorstellst, wie soll das Unternehmen dann von den Kunden wahrgenommen werden?
Ich möchte, dass Aimtec als
globaler Partner für Unternehmen wahrgenommen wird, die sich mit Digitalisierung und
Automatisierung befassen. Nicht als kleine regionale Firma, sondern als starker Akteur mit klarem Know-how und einem stabilen Team. Wir verfügen über fundiertes Fachwissen, erweitern unser Portfolio und bauen ein Ökosystem aus Partnern auf, die unser Wissen und unsere Erfahrung ergänzen.
Wir liefern Lösungen von A bis Z – von der Digitalisierung und Erhöhung der Prozesstransparenz bis hin zur Automatisierung. Uns geht es nie nur um die Lieferung eines Systems. Software ist ein Mittel zum Zweck. Das eigentliche Ergebnis ist die Fähigkeit, die der Kunde erlangt – beispielsweise den Betrieb datengestützt zu steuern oder Lösungen über mehrere Niederlassungen hinweg zu skalieren.
Wenn du mir einen Rat geben solltest, womit ich gleich morgen früh anfangen sollte, was wäre das?
Ich würde anfangen zu lernen. Lesen, ausprobieren, Fragen stellen, nicht untätig sein. Mit den Inhalten im Internet stehen zahlreiche Anleitungen, Beispiele und Know-how zur Verfügung, für die früher eine formale Ausbildung oder teure Kurse erforderlich waren. Nicht jeder muss Experte für alles sein, aber jeder sollte bereit sein, Dinge auszuprobieren und zu verstehen, was sich um ihn herum verändert.
Praktisch würde ich mir einen konkreten Prozess im Unternehmen ansehen und die Frage stellen: Wissen wir, wie er wirklich funktioniert? Haben wir ihn beschrieben? Haben wir Daten? Wissen wir, wo Entscheidungen getroffen werden und was sich vereinfachen oder automatisieren lässt?
Das wäre ein guter Start in den Montag.