20. 8. 2026
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Wie bleibt ein Familienunternehmen unabhängig und zugleich zukunftsfähig, wenn ein Generationswechsel ansteht? Bei Aimtec haben die zwei Gründer Roman Zak und Jaroslav Follprecht die Weichen gestellt. Im Gespräch über ihre Entscheidung einer CEO-Nachfolge aus den eigenen Reihen sowie Werte und Governance als Wettbewerbsfaktoren.
Wie hat alles angefangen?
Roman Zak: Kennen gelernt haben wir uns vor mehr als 30 Jahren bei einem kleineren Unternehmen in Pilsen, beim Implementieren eines australischen ERP-Systems. Wir hatten beide klare Ideen, wie wir ein Unternehmen anders führen würden – so entstand der erste Gedanke ans Gründen. Anschließend sammelten wir in der neu gegründeten Industrie-Division eines Softwareunternehmens in Prag weitere Erfahrungen. Später wurde das Unternehmen vollständig von Deloitte übernommen. Als „Jungspunde“ erschienen uns die Entscheidungswege des Konzerns damals sehr langsam. Also beschlossen wir nach etwa drei Jahren dort, uns selbständig zu machen.
Was war die Motivation für die Gründung von Aimtec?
Roman Zak: Wir wollten ein besseres Umfeld für die Mitarbeitenden schaffen – und unseren Kunden einen besseren Service bieten. Unsere Vision von Aimtec war: strukturiert, organisiert, ergebnisorientiert. Das begann schon bei der Entscheidung, Kundenbeziehungen in einem CRM anstelle von Word zu pflegen.
Was macht Aimtec aus? Welcher „Kern“ der Unternehmens-DNA soll Generationen überdauern?
Jaroslav Follprecht: Der Mensch steht an erster Stelle. Unser Erfolg steht und fällt mit den Menschen, die unsere komplexen Dienstleistungen in die Tat umsetzen. Motivierte Kolleginnen und Kollegen schaffen zufriedene Kundinnen und Kunden. Diese Erkenntnis begleitet uns seit unserer Gründung und legte sozusagen den Grundstein. Wir wollten ein Umfeld schaffen, in dem unsere Mitarbeitenden aufblühen – und unseren Kunden einen besseren Service bieten, strukturiert, organisiert und ergebnisorientiert.
Roman Zak: Wir sehen es als oberstes Ziel, echte, langfristig nutzbare Mehrwerte für unsere Kunden zu schaffen, die sie selbst weiterentwickeln können, Stichwort Befähigung. Dabei agieren wir zuverlässig, halten Zusagen ein und sichern den Kundenerfolg. Und nicht zuletzt denken wir weiter, arbeiten vernetzt, schaffen Silos ab und richten den Blick auf Auswirkungen über Systemgrenzen hinweg.
Der Mensch steht an erster Stelle. Unser Erfolg steht und fällt mit den Menschen, die unsere komplexen Dienstleistungen in die Tat umsetzen. Motivierte Kolleginnen und Kollegen schaffen zufriedene Kundinnen und Kunden. Diese Erkenntnis begleitet uns seit unserer Gründung und legte sozusagen den Grundstein.
Wann kam es zur Entscheidung, die Unternehmensleitung in neue Hände zu geben?
Jaroslav Follprecht: Wir haben uns in den vergangenen drei Jahrzehnten von einem Anbieter von Einzellösungen für WMS, MES oder Qualitätssicherung zu einem ganzheitlichen Digitalisierungspartner entwickelt. Mit unseren Kunden arbeiten wir über viele Jahre zusammen, auch international. Das ist sehr spannend, inspirierend und vor allem verbindlich, erfordert aber auch jede Menge Engagement und Zeiteinsatz. Das investieren wir gerne, denn wir legen Wert darauf, Unternehmen im Rahmen einer nachhaltigen Partnerschaft durch den gesamten Digitalisierungsprozess zu begleiten. Mit 60 war mir bewusst, dass ich nicht bis 70 Geschäftsführer sein möchte. Also begannen Roman und ich bereits 2023, uns Gedanken um eine Nachfolge zu machen.
Roman Zak: Dabei war uns wichtig, dass Aimtec unabhängig von unseren Personen tragfähig bleibt. Deshalb ist es für uns von großer Bedeutung, einen gut funktionierenden Aufsichtsrat zu haben. In unserem dualen System übernimmt der Vorstand die operative Geschäftsführung. Der Aufsichtsrat gibt Orientierung, schaut sich die operativen Ergebnisse an und sorgt für Transparenz. Beim Aufbau dieser Struktur bekamen wir Inspiration von anderen Unternehmen; so wurden wir auch auf ein tschechisches Familienunternehmer-Netzwerk aufmerksam. Uns wurde klar: Aimtec ist auch ein Familienunternehmen – auch wenn es aus zwei Familien besteht. Diesen Charakter wollten wir unbedingt erhalten wissen. Deshalb entschieden wir uns für einen Nachfolger aus den Reihen von Aimtec.
Wie lief der Auswahlprozess des neuen CEO im Detail ab?
Roman Zak: Der Aufsichtsrat hat den Prozess mit seiner umfangreichen HR-Erfahrung eng begleitet. Fachliche Kriterien bildeten zwar den formalen Rahmen, im Mittelpunkt stand für uns zweifelsohne aber die kulturelle Passung. Essenziell war eine Persönlichkeit, die die DNA von Aimtec versteht und verkörpert: voller Menschlichkeit, Verbindlichkeit und langfristigem Denken.
Und wie lange dauerte dieser Entscheidungsprozess?
Jaroslav Follprecht: Von der Idee, einen Nachfolger zu finden, bis zur Grundsatzentscheidung „intern oder extern“ vergingen etwa zwei Jahre; die konkrete Kandidatenwahl dauerte ungefähr ein weiteres Jahr. Unser neuer CEO Pavel Boháč ist bereits seit 2013 bei Aimtec und kennt Aimtec sehr gut. Er hatte mehrere Jahre bei Aimtec den Bereich Advanced Planning and Scheduling geleitet und kannte sich mit HR, Sales, Finance und Delivery bestens aus. Vor allem aber hatte er die Werte, die Unternehmenskultur, die DNA von Aimtec verinnerlicht – das war für uns essenziell.
Wo gab es Stolpersteine beim Übergabeprozess?
Jaroslav Follprecht: Seit der Finanzkrise 2008 setzen wir stark auf Finanzsteuerung, haben Management Accounting aufgebaut, Befugnisse delegiert und das Unternehmen in ergebnisverantwortliche Geschäftseinheiten gegliedert. Deshalb gab es praktisch fast nichts zu übergeben.
Fehler, die Unternehmer in den 90ern noch machen konnten, verzeiht der Markt heutzutage nicht mehr. Es wird eine höhere Professionalität gefordert. Gleichzeitig erlauben Werkzeuge wie KI, schnell bessere Lösungen zu schaffen. Für Kolleginnen und Kollegen ist die Arbeit anspruchsvoller; gegenseitige Unterstützung ist wichtiger als früher.
Stand es jemals im Raum, Aimtec zu verkaufen?
Roman Zak: Es kamen einige Anfragen von M&A-Unternehmen und Investoren. Doch das Private-Equity-Prinzip – kurz- bis mittelfristige Gewinnorientierung, Wertsteigerung und Weiterverkauf – passte nicht dazu, wie wir Aimtec weiterentwickeln möchten. Deshalb entschieden wir uns, Aimtec als Familienunternehmen weiterzuführen: mit einem Aufsichtsrat und einem CEO-Nachfolger und einer Fortführung unserer DNA.
Wie haben sich Ihre Rollen verändert?
Roman Zak: Jaroslav und ich sind in den Aufsichtsrat gewechselt und haben durch etwas mehr Abstand zum Tagesgeschäft den „Blick aus der Vogelperspektive“. So können wir aus einem strategischen Blickwinkel heraus die richtigen Fragen stellen und uns auf die langfristige Tragfähigkeit von Aimtec als Familienunternehmen konzentrieren. Vor fünf Jahren planten wir noch drei bis fünf Jahre in die Zukunft, heute denken wir zehn, zwanzig oder sogar fünfzig Jahre weit. Dieses dosierte Ausscheiden und der größere Zeithorizont haben sich als sehr vorteilhaft für alle gezeigt.
Und was hat sich in Ihrem unmittelbaren Arbeitsalltag verändert?
Roman Zak: Wir haben sozusagen unsere Büros freigegeben. Auch wenn wir oft von zuhause aus arbeiten, komme ich nach wie vor gerne ins Büro – es ist einfach bereichernd, Kolleginnen und Kollegen in einem Umfeld zu treffen, das wir gemeinsam aufgebaut und geprägt haben. Diese persönlichen Begegnungen stärken den Zusammenhalt und unterstützen uns dabei, in unseren aktuellen Rollen wirksam zu bleiben.
Auch Networking spielt immer noch eine große Rolle: Bei Kunden, zu denen ich noch eine besonders enge Beziehung habe, begleite ich den Vertrieb auf Termine. Außerdem sind wir auf Konferenzen aktiv, knüpfen neue Kontakte und pflegen unsere Beziehungen mit Partnern wie der IHK Regensburg und der DTIHK. Darüber hinaus bin ich Vorstandsmitglied des Familienunternehmer-Netzwerks. Austausch mit anderen Unternehmern in ähnlichen Situationen ist unheimlich fruchtbar.
Um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten, haben wir Familienmitglieder mit einbezogen und arbeiten weiterhin an übergeordneten Themen: Familiencharta, Gesellschaftervereinbarungen, Holding-Strukturen, Stiftungen. Wir diversifizieren das Unternehmen und das Vermögen. Um in Zukunft gute Hüterinnen des Unternehmens zu werden, nehmen unsere Töchter seit fast vier Jahren an nahezu allen Aufsichtsratssitzungen teil. Einige von ihnen arbeiten in verschiedenen Positionen im Marketing oder der Personalabteilung bei Aimtec. Es gibt aber keinen Erwartungsdruck, die Geschäftsleitung zu übernehmen. Und wenn, dann würden an sie dieselben Anforderungen gestellt wie auch an andere Kandidatinnen und Kandidaten.
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Wie wirkt sich der Status als Familienunternehmen auf die Kundenbeziehungen von Aimtec aus?
Jaroslav Follprecht: Wir haben viele japanische Kunden, weil Toyota in Kolín ein Werk eröffnete und zahlreiche japanische Zulieferer nach Tschechien geholt hatte. Rund 96 Prozent der japanischen Unternehmen sind familiengeführt, ein höherer Anteil als in Deutschland. Aber nicht nur diese Kunden begrüßen unseren Weg als Familienunternehmen ausdrücklich. Viele empfinden es als ein Signal der Verlässlichkeit – unseren Mitarbeitenden, unseren Kunden und Partnern gegenüber.
Roman Zak: Als Familienunternehmen können wir unser Umfeld aktiv prägen. Wir engagieren uns im Rahmen von CSR, organisieren eines der größten Mountainbike-Rennen der Region mit rund 700 Teilnehmenden, Kindern wie Erwachsenen, und kooperieren mit Universitäten und Schulen. Ein Highlight dabei ist der #AimtecHackathon, der 2026 bereits zum zehnten Mal stattgefunden hat. Mehrere Teams aus jungen Entwicklern, Grafikern und Softwarearchitekten hatten die Aufgabe, übers Wochenende eine App zu programmieren, die Menschen mit Behinderung hilft. Die Veranstaltung fördert die technische Bildung und das IT-Bewusstsein in der breiten Öffentlichkeit. Wir sind überzeugt: Unsere Wertschöpfung und unser Wachstum hängen unmittelbar mit dem Beitrag zusammen, den wir zur Gemeinschaft leisten können. Und wir sind stolz darauf, ein tschechisches, ein europäisches Unternehmen zu sein.
Wie hat sich der Führungsalltag verändert?
Roman Zak: Als Aimtec noch 50 Mitarbeitende zählte und wir alle Namen und Gesichter kannten, konnten wir täglich Kontakt pflegen. Und auch wenn das heute nicht mehr so unmittelbar geht: Beziehungen und gelebte Werte bleiben für uns zentral. Das aktuelle Management stärkt das Middle Management und arbeitet an der Strategiedurchdringung, damit alle in der Lage sind, schnell Entscheidungen im Sinne von Aimtec zu treffen.
Wie hat sich das Umfeld – Wirtschaft und Gesellschaft – in den letzten 30 Jahren insgesamt verändert?
Jaroslav Follprecht: Die Welt ist viel schneller geworden. Als wir Aimtec gründeten, gab es noch kein COVID, keine blockierten Seewege, und Elektroautos galten noch als Zukunftsmusik. Das makroökonomische Umfeld hat sich fundamental gewandelt. Ebenso stellen die Menschen neue Erwartungen – an ihr Leben und ihre Arbeitgeber.
Roman Zak: Fehler, die Unternehmer in den 90ern noch machen konnten, verzeiht der Markt heutzutage nicht mehr. Es wird eine höhere Professionalität gefordert. Gleichzeitig erlauben Werkzeuge wie KI, schnell bessere Lösungen zu schaffen. Für Kolleginnen und Kollegen ist die Arbeit anspruchsvoller; gegenseitige Unterstützung ist wichtiger als früher. Werte sind heute noch bedeutsamer.
Was würden Sie mit 30 Jahren Erfahrung Unternehmerinnen und Unternehmern von heute raten?
Jaroslav Follprecht: Mut zum Delegieren. Ich habe immer so viel delegiert wie nur möglich, und das kam uns beim CEO-Wechsel zugute: Es gab fast nichts zu übergeben, weil alles bereits geregelt war.
Roman Zak: Keine Angst vor Risiken. An sich selbst glauben. Ambitionen und große Ziele wagen.